Nicola Brandt, Besitz, Uakondjisa Kakuekuee Mbari, Namib-Wüste (2013), Digitaler Pigmentdruck, 73 x 100 cm (Papierformat); 60 x 90 cm (Fotogröße), Auflage 3 + 2AP

Woran sich die Landschaft erinnert

Skalen von Gewalt in Landschaftstraumata in Namibia artikulieren

Nicola Brandt, beleuchtet, nicht nachgezählt, Diaz Point, Namibia (2013), digitaler Pigmentdruck, 119 x 86 cm, Auflage 3 + 2AP.Nicola Brandt, Beleuchtet, nicht gezählt, Diaz Point, Namibia, 2013. Digitaler Pigmentdruck, 119 x 86 cm, Auflage 3 + 2AP,  Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Guns & Rain.

 

An der felsigen Südküste Namibias, Beleuchtet, nicht gezählt wurde am Diaz Point bei Sonnenaufgang aufgenommen, wo eine heruntergekommene Struktur in einem Lichthof aus Mandarine, gelbem und rotem Licht beleuchtet wird. Vor einem grauen Himmel steht das Gebäude an der kargen Wüstenküste, an der einst portugiesische und später deutsche Kolonialisten Fuß fassen konnten. Es ist ein Bild, das an die seltsame Schönheit eines Spukraums erinnert. Die Überreste einer jüngeren Vergangenheit sind in das Furnier der Struktur eingebettet, doch die Feinheiten der gelebten Erfahrungen eines Ortes sind verborgen und ungehört. Die Künstlerin, die sich der Grenzen eines traditionellen Dokumentarfilmmodus sehr bewusst ist, betont die Lücken und Stille sowohl in den Landschaften als auch in ihrer Foto- und Videoarbeit, die die Erfahrungen der Vergangenheit nicht sichtbar machen können. Trotzdem kann sich der Betrachter die Abwesenheit einer vergessenen Zeit vorstellen. Nicht weit von diesem Küstenabschnitt, einer Halbinsel, bekannt als "Shark Island", nutzten die deutschen Kolonialbehörden das Land als Kriegsgefangenenlager für die Herero und Nama. Die erstickende Stille erinnert an den Tod der zu Unrecht Verworfenen. Die Gegenüberstellung der Struktur mit dem Leuchtturm gegen eine ansonsten erhabene Landschaft fordert den Betrachter auf, unter die traumatisierte Oberfläche zu schauen.

 

Nicola Brandt, Die Form der Erinnerung, Wlotzkasbaken, Namibia, Digitaler Pigmentdruck, 73 x 100 cm (Papierformat); 60 x 90 cm (Fotogröße), Auflage 3 + 2AP.Nicola Brandt, Die Form der Erinnerung, Wlotzkasbaken, Namibia. Digitaler Pigmentdruck, 73 x 100 cm (Papiergröße), 60 x 90 cm (Fotogröße), Auflage 3 + 2AP. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Guns & Rain

 

Nicola Brandt (* 1983) betrachtet Artikulationspunkte zwischen und zwischen Gewaltskalen in Traumalandschaften in ihrem Heimatland Namibia. Ihre Arbeit untersucht das Erbe der deutschen Kolonialbesetzung im späten XNUMX. und frühen XNUMX. Jahrhundert. Nicolas Bilder überlagern die Geschichten von Herero, Nama und deutschen Namibiern und sind Ikonotexte. Ihre Bilder betonen die Notwendigkeit intertextueller und interkultureller Gespräche über das Erbe des Kolonialismus und mögliche Zukünfte. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, wie die Vergangenheit die Gegenwart weiter ausbricht. In einigen Bildern bewohnen weibliche Figuren mysteriöse, beunruhigende Landschaften, die in einer zukünftigen Zeit erscheinen könnten. Sie müssen sich in Räumen bewegen, in denen Ablehnung, Verletzung und Unsichtbarkeit nicht mehr in Frage zu stehen scheinen, und dennoch scheint das Land heimgesucht zu sein. Während sie sich trotzig durch diese feindlichen Gebiete bewegen, ist die Erfahrung fragmentiert, gefangen zwischen traumatischer Vergangenheit und ungewisser Zukunft.

 

Nicola Brandt, Neben den Gräbern, Swakopmund (2012), Digitaler Pigmentdruck, 72.4 x 52.6 cm (Papierformat); 65 x 43.4 cm (Foto), Auflage 3 + 2AP.Nicola Brandt, Neben den Gräbern, Swakopmund, 2012. Digitaler Pigmentdruck, 72.4 x 52.6 cm (Papiergröße); 65 x 43.4 cm (Foto), Auflage 3 + 2AP, Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Guns & Rain.

 

Nicola Brandt, Auf der anderen Seite des Flusses, Uakondjisa Kakuekuee Mbari, Swakopmund, Namib-Wüste (2013), 73 x 100 cm (Papierformat); 60 x 90 cm (Fotogröße), digitaler Pigmentdruck, Auflage 3 + 2AP.Nicola Brandt, Über den Fluss, Uakondjisa Kakuekuee Mbari, Swakopmund, Namib-Wüste, 201373 x 100 cm (Papiergröße); 60 x 90 cm (Fotogröße), digitaler Pigmentdruck, Auflage 3 + 2AP, Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Guns & Rain.

 

Brandts Bilder zeigen die Zentralität und Ausdauer von Gewalt in Debatten über Macht, Politik und Postkolonie in ganz Afrika. Obwohl Nicola zugibt, dass die Belastungen der Geschichte nicht leicht zu überwinden sind, sind ihre Bilder ein Angebot der Versöhnung. Ihre Arbeit ist ein Versuch, einen kritischen Dialog darüber zu ermöglichen, wie Leiden gemeinsam erlebt wird. Als Namibierin mit deutschem Erbe ist ihre Beschäftigung mit der Frage, wer das „Wir“ im postkolonialen Namibia darstellt, ein Versuch, den kontrapunktischen Charakter der namibischen Identität anzuerkennen. Die Geschichten der Deutschen, Hereros oder der Nama werden nicht als eigenständige Entwicklung visualisiert, sondern als verwickelte Ko-Konstitution, die die Komplexität der Identität verdeutlicht. Die gewollte Amnesie vieler in Namibia zeigt Spuren in den Landschaften, die Nicola einfängt.

Inspiriert von den Werken von David Goldblatt, Santu Mofokeng, dem Black Audio Film Collective, Arthur Jafa, Zarina Bhimji und Ursula Biemann, ergänzt Nicola unter anderem den reichen Kanon objektivbasierter Dokumentationspraktiken. Ihre Bilder machen die komplexen sozialen und politischen Welten von Menschen, Orten und Dingen sichtbar. Nicolas Engagement für die namibische Landschaft ist eine Möglichkeit, alternative Geschichten zu erzählen, an die sich die nationalistische Geschichte nicht erinnert.

 

Nicola Brandt, Die Rückkehr, Auf dem Weg nach! Nami ≠ nüs / Lüderitz, Namibia (2012), Digitaler Pigmentdruck, 73 x 100 cm (Papierformat); 60 x 90 cm (Fotogröße), Auflage 3 + 2AP.Nicola Brandt, The ReturnAuf dem Weg nach! Nami ≠ nüs / Lüderitz, Namibia, 2012. Digitaler Pigmentdruck, 73 x 100 cm (Papierformat); 60 x 90 cm (Fotogröße), Auflage 3 + 2AP, Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Guns & Rain.

Ihre Arbeit nimmt das Erbe des Traumas und die Anforderungen, die es an gefährdete Gemeinschaften stellt, ernst. Das Kleid wurde von einem ihrer Gesprächspartner, Uakondjisa Kakuekuee Mbari, zum Tragen des Herero-Kleides eingeladen. Es wurde erstmals von europäischen Missionaren in Namibia eingeführt und wird heute noch von Herero-Frauen getragen, insbesondere zu besonderen Anlässen. Durch die Anerkennung der asymmetrischen Beziehung zwischen Kolonisierten und Kolonisierern versucht Nicolas Arbeit, lesbare Lücken in der Geschichte zu schließen. Nicolas Arbeiten wurden zusammen mit dem verstorbenen deutschen Künstler Christoph Schlingensief in einer Randausstellung während der Biennale in Venedig 2015 gezeigt. Ihre Multiscreen-Videoinstallation Gleichgültigkeit (2015) ist weiterhin eine tiefe Meditation über rassistische Gewalt und Erinnerung und wurde kürzlich im Iwalewahaus in Bayreuth und im MAXXI Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst in Rom gezeigt. Nicola hat in Gruppenausstellungen in mehreren Ländern ausgestellt, darunter in Namibia, Deutschland, Italien, den USA und Großbritannien. Der Künstler erhält derzeit ein einjähriges Kunststipendium (2017-2018) mit großzügiger Unterstützung der Gerda Henkel-Stiftung.

Denise Lim erhielt ihren Bachelor in englischer Literatur und Soziologie am Bryn Mawr College und ihren Master in Afrikastudien an der Yale University. Derzeit ist sie Doktorandin in Soziologie in Yale mit Forschungsinteressen an soziologischen Ansätzen afrikanischer Literaturen und südafrikanischer visueller Kulturen.

Feature Bild: Nicola Brandt, Besitz, Uakondjisa Kakuekuee Mbari, Namib Wüste 2013. Digitaler Pigmentdruck, 73 x 100 cm (Papiergröße); 60 x 90 cm (Fotogröße), Auflage 3 + 2AP. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Guns & Rain.