EXTRINSIC / INTRINSIC: Im Gespräch mit Leanne Olivier

KUNST AFRIKA had the opportunity to chat with Leanne Olivier about her solo show, ‘EXTRINSIC/INTRINSIC’ at Jan Royce Gallery. Olivier discusses the role of the artist in contemporary society, “life drama”, and the Theatre of the Absurd.
 

LeanneOliver1Leanne Olivier, Rembrandt Messias, 2016. Öl auf Holz, 59 x 75 cm. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Jan Royce Gallery.

In der Aussage Ihres Künstlers behaupten Sie: „Meistens sperren wir uns durch das ein, was wir als wesentlich für unser eigenes Wesen empfinden, das durch äußere Kräfte definiert wird - Kultur, Tradition, Religion - oder was wir glauben, dass diese Institutionen uns lehren benimm dich wie Menschen. “ Würden Sie sagen, dass Ihre Rolle als Künstler darin besteht, Menschen zu helfen, sich zu fragen, wie und welche äußeren Kräfte uns lehren, menschlich zu sein?

Im Allgemeinen und abgesehen von ästhetischen Überlegungen denke ich, dass die Rolle eines Kunstwerks darin besteht, eine Facette der Gesellschaft oder einen Geisteszustand zu reflektieren oder zu spiegeln. insbesondere Facetten, die entweder unseren eigenen Ansichten über die Welt oder über uns selbst widersprechen oder diese unterstützen.

Es ist leicht, in unseren Vorstellungen von Normalität und dem, was es bedeutet, menschlich zu sein, selbstgefällig zu werden. Kunst kann uns helfen, uns dessen bewusst zu werden. Es kann eine Gelegenheit zur Selbstreflexion und zum Wachstum bieten, und meistens kann sich das Verständnisniveau in Bezug auf das Kunstwerk vertiefen, wenn der Grad des Verstehens und Wissens über sich selbst zunimmt.

Bilder 700X500Leanne Olivier, Kopfschmuckstudie iii (detail), Oil paint and pigment ink on Fabriano oil paper, 50 x 65 cm.

The works in the ‘EXTRINSIC / INTRINSIC’ series have quite a specific aesthetic – What is the symbolism within the works, and how does it convey the meaning of the work?

Die Serie begann mit einem Bauprozess, bei dem Kopfschmuck und Masken untersucht wurden. Diese sind repräsentativ für die sozialen Sitten, das kollektive Bewusstsein und die archetypischen Rollen im Spiel oder in der Inszenierung des „Lebensdramas“.

Die Kopfbedeckungen wurden aus gefundenen Gegenständen wie Tierknochen und Schädeln, Muscheln, Besteck und Seilen hergestellt. Sie wurden dann in einheitlichem Weiß gemalt und verwischten die Grenze zwischen dem, was als heilig angesehen werden kann, und dem, was als Alltagsgegenstand gilt. 

Es ist ein Spiegelbild unserer inneren Realität, die als äußere Kronen vorgeführt wird, und in einigen Fällen wurde dies sehr wörtlich interpretiert: Eine Wirbelsäulenkrone aus Hühnerquerlenkern - als Vertreter des menschlichen Verzehrs (wir sind was wir essen?). Anstatt eine bestimmte Bedeutung zu vermitteln, können die Werke stattdessen als „Möglichkeiten“ der Selbstreflexion angesehen werden.

The meaning of each headdress or mask explores the notion of ‘how one fabricates oneself.’

In your paintings, there is a combination of tradition and ‘new’. How would you say this reflects your understanding of the ‘Extrinsic / Intrinsic’ binary?

The series of oil paintings echo the history and tradition of portrait painting while reflecting the evolution of story-telling in the world.  In context with the cultural melting pot that is South Africa, I believe that extrinsic and intrinsic forces or values are constantly evolving. More than ever, we are in an age where we can question and access information; learn and engage with people from various cultures, backgrounds and beliefs. Extrinsic and intrinsic beliefs are almost always in a state of uncertainty and flux – whether it has to do with race, religion, culture, or gender.

LeanneOliver2Leanne Olivier, Der Komponist (Detail), 2016. Öl auf Leinwand, 101 x 126.5 cm.

Sie verweisen in der Erklärung Ihres Künstlers auf das Theater des Absurden und zitieren Martin Esslins Behauptung, dass Sprache ein fehlerhaftes Werkzeug ist, um wahre Bedeutung zu vermitteln. Denken Sie, dass die visuelle Sprache in dieser Hinsicht effektiver ist?

Nicht unbedingt. Ebenso wie ich für das, was ich sage, verantwortlich bin, aber nicht für das, was Sie aus meinen Worten hören oder verstehen, glaube ich, dass der Betrachter eine völlig andere Interpretation haben kann als das, was der Künstler in einer visuellen Arbeit beabsichtigt hat (und ich ziehe an sehe das nicht als schlecht an).

Ich denke, dass das, was eine Person hört, sieht oder versteht, immer von den Ideen und Überzeugungen bestimmt wird, die sie unterhält. Zu wissen, dass man bis zu einem gewissen Grad niemals außerhalb ihrer Vorurteile stehen kann, kann jedoch ein tieferes Maß an Freiheit und eine reichhaltigere Erfahrung unserer Welt bieten.

“…that man, suddenly realizing that he does not understand, will begin to understand.  Therefore the only task left to man is to tear off all that dead skin until he finds himself in the hour of the great nakedness” (Esslin. The Theatre of the Absurd. 1980: 96).

Wie teilen Ihre Bilder die Ideen, die im Theater des Absurden zum Ausdruck kommen?

The Theatre of the Absurd expresses the human condition and the ultimate uncertainty of it all. It holds our human need to make sense of things up in the light. It shows the roles that we have created, that we fervently act out and believe without question. More than any other form of theatre, it shows the ‘behind the scenes’.  Indeed, it isthe ‘behind the scenes’. 

Like the Theatre of the Absurd, my paintings do not disguise the strings that pull the puppet.  A backdrop is often included and the actor cast in the spotlight. Likewise, I also like playing around with gender role reversals where my male subjects might appear more feminine and females are often painted with props reminiscent of phallic shapes. I introduce children’s plastic farm animals and distort the size scale between these animals and my human subjects. It is about disrupting the hierarchy between various forms of being – us and them.  In fact, my art is about the becoming or ‘acting out’ of the other.

Leanne Oliviers Ausstellung 'EXTRINSIC / INTRINSIC' ist vom 18. Januar bis 25. Februar 2017 in der Jan Royce Gallery zu sehen.