Simphiwe Ndzube, Warten auf Mulungu, Installationsansichten, 2018, Mit freundlicher Genehmigung von Andrew Stooke.

Wie Simphiwe Ndzube das Surreale in "Warten auf Mulungu" einsetzt

Simphiwe Ndzubes erste Einzelausstellung in der Cc Foundation in Shanghai

Comte de Lautreamont schrieb einmal, der Surrealismus sei "so schön wie die zufällige Begegnung eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Operationstisch". Sein Bericht fand Resonanz bei vielen Werken von Simphiwe Ndzube in seiner ersten Einzelausstellung in Asien. Ndzube zeigt die Possen einer Besetzung seltsamer kopfloser Figuren in unregelmäßigen Räumen. Regenschirme werden häufig neben anderen unpassenden Objekten, sowohl echten als auch abgebildeten, gezeigt und eingebaut, einschließlich weggeworfener Kleidung, die auf die Leinwand genäht ist, Lampenschirmen und Verkehrskegeln. Für die Ausstellung des in LA ansässigen Südafrikaners wurde die Galerie der Cc Foundation in leuchtendem Rosa gestrichen. Die Galerie befindet sich in Shanghais grauer M50-Kunstzone, einer Ansammlung renovierter Industriegebäude. Die Arbeiten kombinierten Malerei, Collage und Assemblage. Sie trugen ihre Hybridität im Ärmel und schienen aus einer Mischung aus historischem Surrealismus geboren zu sein, die auf Hieronymus Boshs böse Visionen von Hölle, psychedelischem Funk und Kwaito-Stil zurückging.

Simphiwe Ndzube, Ohne Titel, 253 x 411.50 cm, Acryl auf Leinwand, 2017, mit freundlicher Genehmigung von Andrew StookeSimphiwe Ndzube, Ohne Titel, 2017. Acryl auf Leinwand, 253 x 411.50 cm. Bild mit freundlicher Genehmigung von Andrew Stooke.

 

In Eclipse (2017), ein großes Gemälde, das sich über zwei Leinwände erstreckt, kopflose Gestalten in einem Kleiderschrank mit nicht übereinstimmender Kleidung tummeln sich auf einem goldenen Boot vor einem rosigen Himmel. Ein kontrastierender grüner Regenschirm ist an den Bug gebunden und schwarze Vögel umkreisen die titelgebende Sonnenfinsternis. Eine andere gesichtslose Figur wird mit nur einem rosa Tupfenhemd hervorgerufen, einem distanzierten Zeugen, der so dicht im Vordergrund steht, dass Elemente ihres zerzausten Kleides über die Leinwandkante und in den Raum des Betrachters gelangen. Jenseits des "Blings" der üppigen Palette, der jazzigen Note der Komposition und der rücksichtslosen Cartoon-Qualität herrscht eine düstere Stimmung. Das auf trockenem Land verstopfte Boot ist überflüssig. Die Sonnenfinsternis und die sich drehenden schwarzen Vögel sind bedrohlich. Bei näherer Betrachtung erscheinen auch die Figuren wie die zerstückelten Leichen in Goyas Katastrophen des Krieges. Ihre Beine sind an den Knöcheln festgebunden und enden in Serpentinenpeitschen, was auf Grausamkeit und Unterdrückung hindeutet.

Ähnliche Funktionen werden in angezeigt Warten auf Mulungu 3 (2017). Das Boot wird durch ein schickes rotes Auto ersetzt, aber es ist auch nur ein auf Ziegeln balanciertes Chassis. Es hat eindeutig für Aufsehen gesorgt; drei Figuren peitschten begeistert darüber. Auch sie sind ohne Kopf und merken vermutlich nicht, dass sie nirgendwo hingehen. Ohne Titel, schwebend (2018) war eine Assemblage in zwei Teilen. An der Decke aufgehängt, ähnelt das Bündel alter Kleidung vage einer lebensgroßen, aber aufgeblähten Figur. Es dreht sich sanft mit seinem eigenen Schwung über einem verschmutzten Verkehrskegel und ruht auf einer ähnlich schmutzigen Holzpalette auf dem Boden. Ohne erkennbaren Kopf wird das baumelnde Objekt dennoch durch eine Hand, die am Ende eines langen weißen Hemdsärmels und eines Schuhs hängt, als Rückenfigur identifiziert. Ein prunkvoller Sonnenschirm ragte in einem unbeschwerten Winkel aus der 'Skulptur' heraus. Eine beleuchtete Glühbirne oben auf dem Kegel schien ein Warnsignal zu sein, das das Publikum in Schach hielt. Wie bei Arbeiten auf Leinwand hat der optimistische Look einer zufälligen Bricolage andere unangenehme Interpretationen getarnt. In diesem Fall bohrten der schlaffe Arm und die gebündelte Masse a störende Ähnlichkeit mit dem Sterbenden Körper von Hector Pieterson, getragen von Mbuyisa Makhubu in Sam Nzimas ikonischem Bild der Juni 16 Soweto Aufstand.

Simphiwe Ndzube, The Stroller, 2017. Installationsansicht im Cc Foundation Art Center, Shanghai.Simphiwe Ndzube, Der Kinderwagen, 2017. Installationsansicht im Cc Foundation Art Center, Shanghai. Bild mit freundlicher Genehmigung von Andrew Stooke.

 

Ähnlich wie die Surrealisten, die sich absurden und fantastischen symbolischen Bildern als abführende Antwort auf die grausame Torheit der industrialisierten Kriegsführung zuwandten, verwendet Ndzube bizarre Szenarien und das Nebeneinander inkongruenter Elemente aus dem Alltag, um auf neuere Kapitel der Gewalt zu reagieren und Ungerechtigkeit. Die Ergebnisse sind sowohl optimistisch als auch kathartisch: Eine Sonnenfinsternis ist ein Moment der Veränderung und eine Lampe ein Zeichen der Erleuchtung. Sogar ein Verkehrskegel lenkt sanft eine neue Route. 

Andrew Stooke ist freiberuflicher Autor für KUNST AFRIKA. 

AUSGEWÄHLTES BILD: Simphiwe Ndzube, Warten auf Mulungu, 2018. Installationsansicht. Bild mit freundlicher Genehmigung von Andrew Stooke.