ART AFRICA, Ausgabe 08.

L'Afrique a 'l' honneur

Die afrikanische Kunst hat eine integrale Dimension in der westlich zentrierten Vorstellung angenommen. Diese Einführung hat einige Jahre gedauert, aber was hat sie beflügelt? Afrika ist seit Jahrhunderten das andere Europas - sein Unbewusstes, sein Albtraum, aus dem Europa trotz aller Behauptung der Vernunft nicht erwacht ist.

In einem Aufsatz mit dem Titel "Die Vergangenheit verfolgen, die Zukunft verfolgen: China-Afrika und der Westen" betrachtet Cobus van Staden eine neue Weltordnung in  Das Afrika, das jetzt durch chinesische Investitionen neu definiert wurde, kehrt seinem kolonialen Gebervater - dem Westen und insbesondere Europa - den Rücken.

Aber ist das wirklich so einfach, wie es scheinen mag? Kann Afrika - und die Frage bleibt, ob wir uns den Kontinent als Ganzes vorstellen können - seine psychische Verbindung zu Europa wirklich so leicht verlagern? Ich denke nicht. Denn wir sprechen nicht nur von einer 500-jährigen Kolonialgeschichte, sondern von einem weitreichenderen Einflusskomplex, in dem die afrikanische, arabische und europäische Welt zusammengewachsen sind.

Diese Verschmelzung, diese Verbindung wird in einer Reihe von Ausstellungen in Paris und anderswo in Frankreich im ersten Halbjahr 2017 zutiefst offenbart. In der Tat hat Frankreich, oder besser gesagt seine fortschrittlichen Museen, eine einladende Matte für Afrika ausgelegt, eine Geste, die auffällig ist im Widerspruch zu dem paranoiden und isolationistischen Antrieb, der die Psyche der Nation heimgesucht hat. Trotzdem gewann Emmanuel Macron am 7. Mai den Tag und versprach eine Abkehr vom Isolationismus hin zu Frankreichs größerem Fahrprinzip - Inklusivität.

Für diejenigen, die für eine Reihe erstaunlich informativer Feierlichkeiten afrikanischer Kunst im Altertum und in der Moderne verantwortlich sind, ist es eindeutig die Verbindung Frankreichs mit einer größeren Welt, die zählt. Am Arab World Institute haben wir die "Schätze des Islam in Afrika: Von Timbuktu nach Sansibar", in den Galeries Lafayette haben wir "Africa Now", während wir in Paris und in Lille "Afriques Capitales" haben. Im Musée du Quai Branly - Jacques Chirac haben wir "L'Afrique des Routes", während wir in der Fondation Louis Vuitton "Art / Africa, le nouvel atelier" haben. Das Musée Dapper bietet im Dialog mit Soly Cissés Kunstwerken einen atemberaubenden Einblick in alte afrikanische Meisterwerke, während die Art Paris Art Fair im Grand Palais uns den entscheidenden Antrieb für diese massive Initiative gibt - "L'Afrique a 'l' honneur".

Was diesen Showkomplex - der sich auf den afrikanischen Kontinent konzentriert - so tiefgreifend macht, ist sein Verständnis von Jahrtausenden, von Zeitaltern, die der Kolonialisierung vorausgehen und die ihn im gegenwärtigen postkolonialen Moment übertreffen. Wenn jedoch Europa und insbesondere Frankreich an der afrikanischen Vorstellungskraft festhalten müssen, liegt dies nicht an einer distanzierten Ehrfurcht oder einem neutralen Verständnis eines großen unbesungenen Wertes, sondern daran, dass Frankreich sich mehr als jede andere europäische Nation geweigert hat schneiden Sie seine Krawatten.

Die psychologische Verbindung beispielsweise zwischen Frankreich und Algerien ist der Eckpfeiler der berüchtigten Butterszene in Bertoluccis Last Tango in Paris. Es ist dort in Camus 'Schreiben, wie es dort in Derridas Philosophie ist, die, während sie ihren Referenten reinigt, nie aufhört, seinen Schatten und Einfluss anzuerkennen. Aus diesem Grund würde ich es wagen, dass Frankreich im Gegensatz zu England oder Ungarn oder einer anderen blöden Provinznation keine Beendigung oder Trennung wählen wird. Denn wie Sartre bekanntlich erklärte, gibt es keinen Ausgang.

"L'Afrique de Routes", kuratiert von Gaëlle Beaujean, greift das vorherrschende Thema dieser Ausgabe auf - die Vernetzung von Waren, Sprachen, Ideen, Wissen - eine Fracht, die ebenso materiell wie psychologisch, emotional oder konzeptuell ist. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Roten Meer, dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean sowie deren Küsten, Nordafrika, Südeuropa, Kleinasien, dem Golf und dem indischen Subkontinent. Während sich 'Afriques Capitales', kuratiert von Simon Njami, auf Paul Gilroys 'Black Atlantic' und das Kap der Guten Hoffnung konzentriert - auch bekannt als Cabo Tormentoso - der Dreh- und Angelpunkt des europäischen "Spice Race". Wenn nach Njami gesagt werden kann, dass die 1500er bis heute das "Modern Age" in globalen Transaktionen prägen, dann ist dieser Rahmen und dieses Ethos auch für "Africa Now" in den Galeries Lafayette von zentraler Bedeutung.