Jean-Mukendi Web

Das Innovationsthema (13.3): Im Gespräch mit Jean Katambayi Mukendi

Jean Katambayi Mukendi (lebt und arbeitet in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo) schafft fragile und komplexe Installationen aus den recycelten Materialien, die ihn unmittelbar umgeben, und spricht von seinem sozialen Umfeld. Sowohl der Künstler als auch der Wissenschaftler (Mukendi studierte Mathematik) sind gleichzeitig von einer schwangeren Materialität und präzisen Algorithmen und Geometrien geprägt, die größere Schaltkreise globaler und lokaler wirtschaftlicher und politischer Strukturen aufdecken.

ARTsouthAFRICA spoke to him about his practice and his participation in the ‘Rare Earth’ exhibition at Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien. Dieses Interview erschien vollständig in der Innovationsausgabe (13.3).

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OBEN: Jean Katambayi Mukendi. Bildquelle: Agence Future.

ARTsouthAFRICA: Hello Jean! First things first – you’re a self-taught artist. Where did your interest in art begin?

Jean Katambayi Mukendi: Mein Interesse an Kunst begann als ich ein Kind war. Schon sehr früh fragte ich mich nach der Zukunft unserer Gesellschaft, die von der Kolonialpolitik geprägt und programmiert wurde. Alles, von den Bereichen Bildung, Essen und Energie, war genau auf eine Sirene abgestimmt.

Die Kultur der Technologie bildet ein Hauptthema Ihrer Arbeit - wie haben Sie sich so für Energie und Elektrizität interessiert?

Mein Vater wurde in einem kleinen Dorf im Zentrum des Kongo geboren, wo er bis zu seiner Abwanderung in den Bergbau im Süden lebte, wo er sich mit Technologie, insbesondere Elektrizität, auskannte. Meine Familie genoss alle die gleiche technologische Ausbildung, motiviert von meinen beiden Eltern. Ich bin auch in einer Stadt neben einer großen Anlage aufgewachsen, in der alles von morgens bis abends programmiert wurde - von der Schule über das Essen bis zur Freizeit - nach einem Zeitplan, der von einer Sirene festgelegt wurde. Ich fragte mich nach dieser Energie, die nützlich, aber auch bedrohlich war, und meine Antwort kam von der Verschmelzung der Kartontechniken, die ich von meiner Mutter gelernt hatte, mit den technologischen Aspekten, die ich von meinem Vater gelernt hatte.

It’s obvious that your background in Lubumbashi, ‘The Capital of Copper,’ has become integral to your work, but how would you say that your environment continues to influence your practice?

Natürlich beeinflusst mein Umfeld meine Arbeit aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Potenzial dieses Kupferkapitals und seiner wirtschaftlichen und kulturellen Dynamik weiterhin.

Lubumbashi ist eine Stadt, die von der Angst vor dem Leben bedroht ist. Möglichkeiten zum kulturellen Austausch verschwinden langsam; Bürger finden Schutz in selbstsüchtigen Unternehmen, die keine wirklichen Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung haben. Meine Arbeit ist eine Reaktion auf eine Aktion, die versucht, Orientierungspunkte und Synchronizität auf menschlicher Ebene neu zu fokussieren, und daher Wirtschaft, Politik, soziale Fragen und Philosophie an ihrem Punkt der Beurteilung und Logik.

The most recent showcase of your work is in an exhibition titled ‘Rare Earth’ at Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Vienna. What is your understanding of the term ‘rare earth’? How is that understanding reflected in the work you are showing?

The word that is closer to the meaning of ‘rare earth,’ and which is common in our language, is ‘gem.’ I think the world has essentially the same problems within different contexts according to geography, history and culture. ‘Rare earth’ gathers people, thinkers and creators who communicate without knowing it, who bring humankind their questioning by using means of their own.

Mir ist klar, dass ich mich unzählige Male, manchmal ohne Verständnis, der Menschheit zur Verfügung gestellt habe und die Rolle von Sender und Empfänger spiele. Dieser Mechanismus kann sich auf die eine oder andere Weise entwickeln und sehr große Entfernungen verbinden. In physischer Hinsicht bedeutet dies, dass meine Arbeit ihre volle spirituelle Dimension bewiesen hat.

Your use of so-called ‘conflict minerals’ such as copper, reflects the regional conflict in your native country of Congo and speaks to the global scramble for its vast natural resources. Is there a particular message you are working to convey through this choice of materials?

My message is the following: If I put electricity and metal on cardboard, those who learnt these theories correctly are able to do better to balance the accounts of the cosmos. The teacher in my country (DRC) should stop preaching to his students that we are wealthy and that our riches are coveted, he should rather teach the student how to be autonomous. The world should take care to solve the situation of the other, but that’s an awkward request. I’d rather ask my contemporaries, “What shall we share with mankind?” Because the earth and substratum are not enough.

Der Großteil dieser Mineralien gelangt schließlich in elektronische Geräte (wie Mobiltelefone, tragbare Musikplayer und Computer), die in Asien hergestellt und an westliche Verbraucher verkauft werden. Die Gewinne aus dem illegalen Handel mit solchen Mineralien ermöglichen es den Milizen, Waffen zu erwerben und ihre Kampagne der Gewalt gegen Zivilisten im Kongo fortzusetzen. Ist der Einsatz elektrischer Mechanismen in Ihrer Arbeit ein direkter Hinweis darauf?

Yes, the minerals in the conflicts are not only coltan, which is used to manufacture phones, but also copper and uranium. When one investigates, one finds that the uranium used in the nuclear bombing of Hiroshima may have been Congolese. The mechanism in my work diverts the role of these metals to make them instruments of peace. It’s another matter entirely to define peace, which is more a state of mind. By peace, I mean the peace that is felt conjointly and automatically, quite different from a peace defined by an individual who has specific goals in his mind. The conclusion was that all the minor clashes observed in the world are springing from small social inconveniences. All conflicts, from local skirmishes to full-blown wars, have a Sinn und Zweck und zeige, dass wir den anderen brauchen, um zu demonstrieren, dass Liebe noch existiert. Der Tag, an dem die Liebe für immer verschwunden ist, wird die Stille des Todes sein.

Ihre Arbeit interessiert sich für Kunst und Mathematik und wird sowohl von einer geladenen Materialität als auch von präzisen Algorithmen geprägt, die größere Schaltkreise globaler wirtschaftlicher und politischer Strukturen aufdecken.

Das Ausstellungsstatement für ‘Rare Earth’ says that your work “explores ways to access alternative energy sources that do not rely on the multinational owned infrastructure” of countries like the Congo. How exactly do you achieve this? And do you think your work could be useful in effecting positive change?

Ich verwende Algorithmen, die ich sehr früh in meiner Arbeit entwickelt habe - noch bevor ich in der Schule Mathematik studiert habe. Ich habe später ziellos ohne einen angemessenen Lehrplan studiert, weil in den Jahren der politischen Umwälzungen die Krise ihren Höhepunkt erreicht hatte und wir studiert haben, um eine Qualifikation zu erhalten, die wir konnten. Zu der Zeit wusste ich nicht, dass die Natur einem Menschen ohne finanzielle Mittel Güte bringen kann.

Die Idee, Zeit und Energie für die Erstellung eines Algorithmus aufzuwenden, ist eine perfekte Simulation der Fragen, die uns auf politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ebene gestellt werden. Der Beweis dieser Algorithmen ist einfach, aber gegensätzlich. Wenn ich mit meinen Zeitgenossen über öffentliche Verkehrsmittel oder andere Themen unabhängig von ihrem intellektuellen Hintergrund diskutiere, werde ich immer als Philosoph eines außerirdischen Zeitalters angesehen, und ich springe vor Freude, weil meine Botschaft verstanden wurde und meine Arbeit positiv ist Veränderung.

Lastly, your participation in the 2014 Dak’ Art Biennale saw you working alongside established artists, such as Wangechi Mutu and Emeka Ogboh, whose work we are all familiar with. Are there any emerging contemporary artists from Africa that you admire? Anyone you would like to see yourself working with in the future?

Near me in Lubumbashi, I can name Richard Kaumba who uses his small studio to introduce an architecture of surprising dimensions, composed of parts fitting into each other. In Kinshasa there is Papa Kingleze, who is enthusiastic about ‘dream cities’ that make him forever young.

On the opposite side of Africa, in Johannesburg, there is Vaughn de Vansa, who builds electric installations that are very original. I have known Driss, the Dak’ Art 2014 laureate, for a long time. His paintings in the shape of architecture draw you in from different aspects.

Besides, my work can be combined with any work of any other artist. As Amar Bouras says, “The work is just a pretext.”

‘Rare Earth’ is on at Thyssen-Bornemisza Art Contemporary from 19 February – 31 May 2015.