GESCHICHTE Robin Rhode in Schweden

'The Sudden Walk': Robin Rhodes erstes Solo in Schweden

Die Stadtmauern sind die Leinwand für den südafrikanischen Künstler Robin Rhode; die Oberfläche, zu der er seine eigenen Geschichten hinzufügt. Kulturhuset Stadsteatern präsentiert die erste große Ausstellung des Künstlers in Skandinavien.

GESCHICHTE Robin Rhode in Schweden
OBEN: Robin Rhode, Birdman (2014). Bild mit freundlicher Genehmigung von Kulturhuset Stadsteatern
 
Franz Kafkas Kurzgeschichte "Der plötzliche Spaziergang" besteht aus zwei Sätzen. Es beschreibt ein Erwachen, wie eine Person, die sich gerade für die Nacht niedergelassen hat, plötzlich von Unruhe erfasst wird und sich auf einem nächtlichen Spaziergang von ihrem gemütlichen Zuhause auf den Weg macht.
 
Dieser Drang, etwas Unerwartetes zu tun, ist in der Kunst des südafrikanischen Künstlers Robin Rhode keine Seltenheit. Seine Zeichnungen sind impulsiv, direkt auf Asphalt oder einer Wand gemacht, mit Spuren von gelöschten Linien in Holzkohle und Kreide. Das Thema bezieht sich oft auf Wünsche, den Traum, ein bestimmtes Objekt zu besitzen; ein Fahrrad, eine Champagnerflasche oder ein anderes Symbol des Reichtums. Robin Rhodes 'Bilder pendeln wie Kurzgeschichten zwischen Innen- und Außenwelt. Die einfachen Skizzen stellen uns Zuschauer eindeutig irgendwo zwischen die reale Welt und eine imaginäre Welt - ein Szenario, zu dem der Künstler uns einlädt. 
Robin Rhode wurde 1976 geboren und gehört zur Generation der Künstler, die nach der Apartheid aufgewachsen sind. Johannesburg war seine früheste Leinwand, und die Leute dort konnten ihm bald auf seinen Spaziergängen folgen. Mit ein paar schnellen Kreidemarken oder einer Straßenaufführung würde er den Alltag oder die aktuelle politische Situation kommentieren.
 
„Viele sehen mich als Straßenkünstler, aber ich interpretiere meine Kunst neu und filtere sie durch die Kunstgeschichte in dem Sinne, wie ein DJ Remixe bestehender Tracks macht“, sagt Robin Rhode. Er ist gleichermaßen von Straßenkultur sowie Film- und Kunstgeschichte inspiriert. 
 
Heute lebt und arbeitet Robin Rhode in Berlin, wo er unter anderem die modernistischen Stühle des niederländischen Architekten Gerrit Rietveld erkundet hat. Seine wilden Interpretationen schlagen völlig neue Verwendungsmöglichkeiten vor, wie in Piano Chair (2011), wo der Stuhl bei einem gewaltsamen Angriff auf ein Klavier, der an Straßengewalt erinnert, in eine Requisite verwandelt wird.
 
Robin Rhodes Werke bestehen oft sowohl aus einer Zeichnung als auch aus einer Inszenierung, in der der Künstler mit Illusionen spielt. Die Arbeit wird dokumentiert und dem Betrachter in Fotos oder Animationen präsentiert, die das Ereignis in einem Comic-ähnlichen Stil aufzeichnen. Er interagiert oft mit der Zeichnung, als wäre es ein physisches Objekt. Eine seiner Referenzen sind die Initiationsriten, denen sich die Schüler seiner Schule gegenseitig unterworfen haben, beispielsweise jemanden zu zwingen, ein imaginäres Fahrrad zu fahren, das an der Wand der Toilette gezeichnet ist.
 
Hier spielt Robin Rhode stattdessen die verschiedenen Charaktere, die versuchen, die „unmöglichen“ Aufgaben auszuführen. Diese Versuche, die Realität neu zu erfinden, sind von einer poetischen und romantischen Ladung durchdrungen. Alternativ offenbaren sie unser vergebliches, aber universell menschliches Bestreben, unsere eigenen Wünsche zu befriedigen.
 
Für weitere Informationen, siehe https://womenforwomeninternational.de/datenschutz-und-cookie-richtlinien. Die Ausstellung wird in gezeigt Kulturhuset Stadsteatern vom 14. Februar bis 3. Mai 2015.